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Volle Promenaden, knapper Wohnraum: So wirkt sich der Dauer-Tourismus auf kleine Küstenorte aus

Bild: Adobe stock

Wenn an warmen Wochenenden Tausende Menschen gleichzeitig in die beliebten Küstenorte strömen, geraten selbst gut vorbereitete Gemeinden schnell ins Straucheln.

Besonders entlang der Ostseeküste prägt der stetig wachsende Tourismus längst nicht mehr nur die Sommermonate. Er nimmt zunehmend Einfluss auf den gesamten Alltag in vielen Orten. Beispielsweise zeigen sich Promenaden, Parkplätze, Strände und Innenstädte über lange Zeiträume stark ausgelastet.

Die Auswirkungen auf die Wohnsituation

Für viele Einheimische verschärft sich so ihre Wohnsituation. Ferienwohnungen bringen meist höhere Einnahmen als klassische Mietverhältnisse. Dadurch verschwinden dauerhaft verfügbare Wohnungen zunehmend vom Markt.

Vor allem Beschäftigte aus Gastronomie, Pflege oder Einzelhandel finden in beliebten Urlaubsorten immer schwerer bezahlbaren Wohnraum. Kleine Geschäfte müssen sich ebenfalls dem zunehmend touristischen Publikum anpassen. Neben Souvenirläden oder Strandboutiquen entstehen so auch neue Konzepte für Tagesgäste, wie beispielsweise ein CBD Shop.

Immer mehr Gemeinden stehen vor diesem Hintergrund vor der Frage, wie viel touristische Ausrichtung ein Ort verträgt, ohne dass er seinen ursprünglichen Charakter verliert.

Wohnraum wird zum Dauerproblem

In zahlreichen Küstenorten hat sich der Anteil an Ferienwohnungen in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Kommunen wie Timmendorfer Strand, Grömitz oder Scharbeutz diskutieren deshalb regelmäßig über Themen wie Zweckentfremdung, Bebauungspläne und neue Vorgaben für Zweitwohnungen. Hintergrund davon ist die Sorge, dass die Ortskerne sich immer mehr in saisonal genutzte Wohngebiete verwandeln.

Besonders schwierig ist die Lage für Menschen, die dauerhaft vor Ort arbeiten. Hotels, Restaurants und Cafés suchen vielerorts Personal. Gleichzeitig fehlen jedoch die Wohnungen für die Beschäftigten. Manche Betriebe mieten inzwischen sogar schon selbst Unterkünfte an, um ihre Mitarbeitenden überhaupt halten zu können. Gerade kleinere Gemeinden stoßen somit sowohl finanziell als auch organisatorisch an Grenzen.

Große Belastung für Infrastruktur und Alltag

Mit den steigenden Besucherzahlen wächst selbstverständlich auch der Druck auf Straßen, Parkflächen und öffentliche Einrichtungen. Während der Ferienzeiten kommt es regelmäßig zu langen Staus auf den Zufahrtsstraßen und zu überfüllten Innenstädten. Hinzu kommen höhere Belastungen für die Müllentsorgung, die Wasserversorgung und die Rettungsdienste.

Viele Kommunen investieren deshalb bereits in neue Verkehrskonzepte. Shuttlebusse, zusätzliche Fahrradstellplätze und digitale Parkleitsysteme sollen die Besucherströme besser verteilen. Die Gemeinden versuchen außerdem, sensible Naturbereiche stärker zu schützen. Gerade die Dünenlandschaften und Küstenwege reagieren empfindlich auf die dauerhaft hohen Besucherzahlen.

Zwischen wirtschaftlicher Stärke und wachsender Kritik

Trotz dieser großen Herausforderungen bleibt der Tourismus für viele Orte der zentrale Wirtschaftsfaktor. Hotels, Gastronomie, Einzelhandel und Freizeitangebote sichern zahlreiche Arbeitsplätze in den Regionen. Vor allem kleinere Gemeinden wären ohne die saisonalen Gäste wirtschaftlich deutlich schwächer aufgestellt.

Dennoch werden in vielen Orten die Diskussionen über Grenzen des Wachstums lauter. Bürgerinitiativen kritisieren zunehmend den Verkehr, die steigenden Mieten und den Verlust der ursprünglichen Nachbarschaften. Die Kommunen suchen nach neuen Lösungen für diese Probleme, ohne den Tourismus grundsätzlich infrage zu stellen.

Junge Familien geraten zunehmend unter Druck

Die Veränderungen betreffen im Übrigen längst nicht mehr nur touristische Zentren direkt an der Promenade.

Kleinere Nachbarorte haben ebenfalls mit den Folgen der steigenden Immobilienpreise zu kämpfen. Familien suchen nicht selten monatelang nach einer Mietwohnung und ältere Bewohner:innen müssen ihre vertraute Umgebung verlassen, da die Häuser verkauft oder zu Ferienunterkünften umgebaut werden.

So verändert sich das Ortsbild vielerorts sichtbar. Kleine Lebensmittelgeschäfte, traditionelle Bäckereien oder Treffpunkte des Alltags verschwinden teilweise zugunsten saisonaler Angebote für Urlauber:innen. Viele Bürgermeister:innen betonen deshalb inzwischen, dass lebendige Gemeinden nicht allein von den Besucherzahlen abhängen, sondern vor allem von dauerhaft ansässigen Menschen, Vereinen und funktionierenden Nachbarschaften.


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