Simon Krüger

Potenzial der Kryptowährungen in Deutschland

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Foto: Unsplash.com @ Kanchanara

Kryptowährungen dürften inzwischen einem Großteil der Menschen ein Begriff sein, unabhängig davon, wie tiefreichend das Verständnis um die digitalen Gelder letztendlich ist. Seit nunmehr einigen Jahren, ungefähr seit ihrem kometenhaften Aufstieg im Jahr 2017, sind die noch recht jungen finanziellen Mittel aus den Schlagzeilen der Finanz- und Technologiewelt nicht mehr wegzudenken.

 

Grund für das große Interesse sind nicht zuletzt die stark schwankenden Kurse, die zwar viel Ungewissheit mit sich bringen, allerdings ebenso schnell für enorme Gewinne sorgen können. Vor allem im vergangenen Jahr waren die Anleger positiv gestimmt, da sich die Werte der Coins rasant entwickelten. Im November wurden bei etlichen Kryptos neue Allzeithochs aufgestellt, die beispielsweise den Bitcoin, dem ältesten und verbreitetsten Akteur, bei über 58.000 Euro liegen sah. Dementsprechend wurde der Hype noch beschleunigt und die Prognosen über neue Rekordwerte, welche die 100.000-Euro-Marke knacken sollten, überschlugen sich.

 

Viele potenzielle Investoren beschäftigten sich daher mit der Frage, wie und wo der Erwerb der virtuelle Coins möglich ist. Neben den gängigen Börsen und Brokern, wollen auch immer mehr Zahlungsdienstleister Kryptowährungen in ihr System integrieren. Auch der Marktführer unter ihnen kündigte das Vorhaben bereits Ende 2020 an. Noch können User allerdings nur in den USA und in Großbritannien per PayPal Bitcoins kaufen - deutsche Anwender müssen sich noch gedulden, könnten sich aber noch in diesem Jahr über die entsprechende Funktion freuen. Auch eine eigene Währung in Form eines Stablecoin möchte das US-amerikanische Unternehmen noch im Jahr 2022 vorstellen.

 

Auch Mastercard möchte einen ähnlichen Weg verfolgen und ihren Kunden zahlreiche neue Dienstleistungen rund um Bitcoin und Co. anbieten. All diese Entwicklungen zeigen, dass Kryptowährungen einen neuen finanziellen Aspekt der Gesellschaft darstellen, der auch in den nächsten Jahren nicht weniger werden wird. Zu verankert sind Kryptos und die zugrundeliegende Blockchain-Technologie inzwischen. Doch wo stehen die digitalen Gelder in Deutschland und wo führt ihr Weg hin?

 

Akzeptanz
Deutschland gehört laut Fachleuten zu einem der Krypto-freundlichsten Länder in Europa, auch wenn die Nutzung im internationalen Vergleich noch etwas hinterherhinkt. Im Netz ist die Akzeptanz dabei logischerweise deutlich höher als im stationären Handel, was schlichtweg an der Beschaffenheit der Coins und ihrem digitalen Kontext liegt. Hierzulande sind einige Menschen noch recht skeptisch gegenüber den neuen Geldern, was sich vor allem in den fortgeschrittenen Altersgruppen zeigt. Jüngere Menschen sind hingegen deutlich offener was eine Investition angeht und einige gaben bei Umfragen an, bereits in die digitalen Währungen investiert zu haben. Es finden sich immer mehr neue Lösungen und Wege, auch in Deutschland Kryptowährungen nahtlos in den Zahlungsverkehr aufzunehmen. Eine Entwicklung wie in El Salvador, wo der Bitcoin bereits als offizielle Staatswährung anerkannt wurde, ist allerdings unrealistisch. Viel mehr wird auch hier die Wichtigkeit von digitalem Geld größer werden, wie Pläne für den "Digitalen Euro" zeigen.

 

Anwendung
Anwendung finden die Kryptowährungen natürlich vorrangig als Zahlungsmittel, entweder im normalen Finanzsystem oder innerhalb ihres Netzwerkes. Immerhin wurden viele der digitalen Gelder dafür entwickelt, Zahlungen in ihrer eigenen Umgebung abzuwickeln, wie es beispielsweise bei Ether der Fall ist, der ursprünglich lediglich für Zahlungen im Blockchain-Protokoll Ethereum Verwendung fand. Exakt diese Blockchain ist es auch, die das Thema Krypto für zahlreiche Anwendungsgebiete höchst interessant macht. Die fälschungssichere und dezentrale Kette beinhaltet transparent alle relevanten Informationen einer Transaktion, wodurch zweifelsfreie Rückschlüsse auf Besitzer ermöglicht werden. Ein Gebiet, das besonders bei Ethereum für Aufmerksamkeit sorgte, waren Smart Contracts und dezentrale Apps (dApps). Erstere erlauben das automatische Inkrafttreten eines Vertrages, sobald alle Konditionen erfüllt sind. Dezentrale Apps hingegen nutzen ein ganzes Peer-to-Peer-Netzwerk, anstelle eines einzelnen Rechners, um innerhalb des Netzwerks dezentral, fälschungssicher und zensurgeschützt zu agieren. Die Anwendungsgebiete beider Aspekte können etliche Industrien wie Versicherungen, das Gesundheits- oder Finanzwesen erheblich beeinflussen und effizienter machen.

 

Zukunft
Wie sich die Zukunft für Kryptowährungen gestalten wird, ist aufgrund der Ungewissheit des Marktes eine schwer zu prognostizierende Angelegenheit. So sind beispielsweise die Kursentwicklungen kaum vorauszusagen und selbst einige Experten, die in der Vergangenheit mit großer Präzision auffielen, konnten die letzten enormen Einbrüche nicht vorhersehen. Was allerdings feststeht ist, dass Kryptowährungen auch hierzulande immer mehr Akzeptanz und Anwendungen finden. Neben Plänen wie dem digitalen Euro, der den Kryptos Konkurrenz machen soll, öffnen auch immer mehr Finanzinstitute ihren Kunden den Weg zum Markt. Kürzlich ließen die ersten Filialen der Volksbank und der Sparkasse vermelden, dass auch sie den Handel mit Kryptos ermöglichen wollen. So wird der Weg in den Mainstream unserer Gesellschaft zunehmend geebnet, weshalb ein baldiges Wegfallen der digitalen Gelder nur schwer vorstellbar ist. Die Blockchain als Basis wird hingegen an Bedeutung gewinnen, da die Vorteile des dezentralen Netzwerks schlichtweg zu präsent sind. Um mehr Klarheit zu schaffen, wird es allerdings weitere Fragen geben, die es zu beantworten gilt, wie beispielsweise die Versteuerung und die generelle Sicherheit, die unter anderem durch hochentwickeltes Quantencomputing gefährdet werden könnte. Auch das Element der Nachhaltigkeit wird heiß diskutiert, wobei hier bereits erste positive Schritte unternommen wurden.


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