Simon Krüger

Krankenschwestern und -pfleger: Ampelpläne für mehr Pflegepersonal

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Foto: Pexels.com @ Cedric Fauntleroy

Spätestens seit dem Beginn der Corona-Pandemie wissen wir, dass eine Krankenschwester bzw. Pflegefachkräfte in Relation zum Arbeitspensum nebst Schicht- und Wochenendarbeit schlichtweg unterbezahlt sind. Mit der Übernahme der Amtsgeschäfte durch die neue Bundesregierung im Dezember 2021 wurde vor diesem Hintergrund für den Pflegebereich ein Maßnahmenpaket geschnürt, welche in den nächsten vier Jahren Schritt für Schritt umgesetzt werden sollen. Die Ampelkoalition forciert indes die Ausbildung von mehr Pflegepersonal mit Hilfe eines höheren Lohnniveaus sowie besseren Bedingungen am Arbeitsplatz.

 

Höhere Löhne für die Krankenschwester und Pflegekräfte
Eine Krankenschwester, welche auf den Intensivstationen infizierte Menschen betreute, war in den vergangenen Monaten extremen Belastungen ausgesetzt. Die zusätzlichen neuen Herausforderungen, welche sich aus der nationalen Notlage ergaben, brachten die Pflegekräfte an ihre Grenzen und sorgten darüber hinaus für jede Menge Unmut.

 

Angesichts dieser Leistungen hat die amtierende Bundesregierung einen Pflegebonus eingeplant von einer Milliarde Euro. Dabei beträgt der Steuerfreibetrag für die ausbezahlten Boni 3.000 Euro. Weitaus nachhaltiger sollen sich nach den Plänen der regierenden Parteien höhere Löhne im Gesundheits- und Pflegebereich durchsetzen, um die Arbeit fair zu entlohnen und junge Menschen für Pflegeberufe zu begeistern. So soll laut Koalitionsvertrag unter anderem das Lohnniveau von Mitarbeitern in der stationären Altenpflege an das der Krankenpflege angeglichen werden. Gleichzeitig ist es jedoch von elementarer Bedeutung, dass die Gewerkschaften gemeinsam mit der Politik an einem Strang ziehen und die Tariferhöhungen auf den Weg bringen.

 

Krankenschwester Jobs bei Minimalbesetzung
Vor dem Ausbruch der Pandemie galt das Argument einer Unterbesetzung in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen schlicht als ein scheinheiliges Druckmittel durch die jeweiligen Interessensvertreter. Arbeitgeberverbände sowie die Politik standen einer derartigen Kritik seitens der Gewerkschaften aus den verschiedensten Gründen eher skeptisch gegenüber. Heute gelten durchweg neue Maßstäbe bei der gemeinsamen Lösungsfindung.

 

So zeigen zum Beispiel statistische Erhebungen des Verbands der Gesetzlichen Krankenkassen, dass die Gewerkschaftsverbände auf einen realen Umstand verwiesen, welcher sich nun in seinem vollen Ausmaß zu erkennen gibt. In diesem Zusammenhang scheint es laut der ermittelten Zahlen keineswegs ungewöhnlich zu sein, dass selbst die personelle Notbesetzung in den Einrichtungen nicht erreicht werden kann. Weiter belegen die Zahlen, dass das Erreichen der Minimalbesetzung einem Glücksspiel gleicht. Denn immer mehr Jobs für Krankenschwestern können nicht besetzt werden.

 

Um eine Verbesserung dieses Zustandes zu erzielen, möchte die Bundesregierung durch ein neues Regelwerk ein Personalbemessungsverfahren etablieren. Dieses soll sowohl in Heimen als auch Kliniken dazu dienen, den Bedarf an Fachpersonal zu ermitteln und eine Mindestgrenze an vorhandenem Personal festzusetzen. Gleichzeitig sieht der Koalitionsvertrag vor, mehr Arbeitskräfte aus dem Ausland zu gewinnen und die Hürden für die Anerkennung der dort erlangten Berufsabschlüsse zu reduzieren bzw. unbürokratischer zu gestalten.

 

Die Ausbildung zur Krankenschwester attraktiver gestalten
Ob Krankenschwester oder andere Berufe aus dem Gesundheits- und Pflegebereich, die Ausbildung ist enorm anspruchsvoll und wird kaum bis gar nicht entlohnt. Viele jungen Menschen beschreiben den Weg bis hin zum erfolgreichen Abschluss als "ein kleines Medizinstudium". Neben einer bundeseinheitlichen Assistenz-Ausbildung haben sich die koalierenden Parteien darauf verständigt, beispielsweise den Beruf der Krankenschwester wesentlich attraktiver zu gestaltet. So soll bereits die Ausbildung oder ein Studium in der Pflege vergütet werden.

 

Andere Länder, wie zum Beispiel Finnland, Kanada oder Slowenien setzen bereits seit geraumer Zeit das sogenannte "Community Health Nursing" ein und sorgen auf diese Weise für einen erheblichen Mehrwert in der Gesundheitsversorgung für die dort lebende Bevölkerung. Gemäß Koalitionsvertrag der Ampelpartner soll in naher Zukunft das Berufsbild etabliert werden. Die studierten Pflegefachkräfte tragen in Ausübung ihrer Tätigkeit zur Bewältigung des Alltags gesundheitlich beeinträchtigter Menschen bei. Gleichzeitig sollen die Hochschulabsolventen in der Lage sein, eigenverantwortlich Behandlungen mittels heilkundlicher Fachverfahren durchführen zu können. Insbesondere der Mangel an Ärzten in ländlichen Gebieten könnte dadurch erheblich kompensiert werden.

 

Das Berufsbild der "Community Health Nurse" gleicht im Grunde genommen einer Kombination aus Hausarzt und Krankenschwester. Die Idee dahinter ist es, einen wesentlichen Teil der medizinischen Grundversorgung als die speziell ausgebildeten Pflegekräfte zu übertragen und Hausärzte dadurch zu entlasten. Schon zum jetzigen Zeitpunkt scheint klar zu sein, dass zahlreiche Pflegekräfte außerordentlich gute Fort- und Weiterbildungen besucht haben und dennoch das Erlernte nicht effektiv anwenden können, weil nach wie vor ein Arzt die finale Entscheidung wegen seiner höheren Qualifikation trifft.

 

Der aus diesen Situationen resultierende Frust soll nach Auffassung von Experten und politisch verantwortlich mit dem "Community Health Nursing" bekämpft werden und zugleich ein neues interessantes Berufsbild für interessierte Menschen schaffen.


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