Simon Krüger

Was bedeutet Weiterbildung 4.0?

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Es liegt nahe, Weiterbildung bzw. Bildung 4.0 mit Industrie 4.0 in Einklang zu bringen. Tatsächlich würde die Weiterbildung 4.0 ohne die Digitalisierung bzw. vierte industrielle Revolution nicht existieren: Schüler und Studenten kommen nicht mit den gleichen Fähigkeiten oder Ausgangspunkten auf die Welt. Sie lernen unterschiedliche Schwerpunkte in unterschiedlichem Tempo. Und sie brauchen die richtige Anleitung, um ihre Fähigkeiten zu entwickeln. Bildung 4.0 sollte sich an der Industrie 4.0 orientieren und die Schüler mit den Fähigkeiten ausstatten, die für den Erfolg in der nächsten industriellen Revolution erforderlich sind. Aber was ist Weiterbildung 4.0? Warum ist das ein so wichtiges Thema? Welche Branchen stehen dabei besonders im Fokus?
 
(Weiter)Bildung 4.0
Während sich die Welt auf Industrie 4.0 zubewegt, haben eine Reihe von Branchen, darunter auch das Bildungswesen, mit Bildungsmodellen reagiert, die sich darauf konzentrieren, global wettbewerbsfähigere und digital gesteuerte Fachkräfte zu schaffen und bereitzustellen. Dies betrifft nicht nur private Bildungsgeber, sondern auch die öffentliche Hand - wenngleich letztere mit der Transformation deutlich größere Probleme hat. Das Ziel von Bildung 4.0 ist es, Lernenden dabei zu helfen, ihr volles Potenzial für zukünftige Aufgaben und Bedarfe in der Industrie auszuschöpfen. Dies bedeutet, dass die Lernerfahrung verbessert, eine nahtlose Interaktion zwischen Bildungsnehmer und Lehrern ermöglicht und neue Technologien und Plattformen genutzt werden, um eine kollaborative Lernumgebung zu schaffen. Doch wie kann man die Bildung derart innovativ und anpassungsfähig gestalten?
 
Bei Weiterbildung 4.0 geht es darum, mit dem ursprünglichen Bild und der Rolle der Lehrperson zu brechen und diese an Hand der neuen und zukünftigen Herausforderungen anzupassen. Das bedeutet nicht nur, dass sich die Lehrinhalte ändern - es bedeutet auch, dass sich die Art der Lehre verändert. In der modernen Weiterbildung ist das höhere Ziel, den Bildungsnehmer zum selbstständigen Lernen zu motivieren und individuell bestmöglich zu betreuen. In der traditionellen Lehre ist das eine utopische Vorstellung, weil sich eine Lehrperson um weit mehr als einen Schüler bzw. Weiterzubildenden kümmern muss. Mit modernen Technologien kann die Rolle des Lehrers jedoch der eines Moderators angeglichen werden - der das Lernen in einem Kurs mit Hilfe eines kollaborativen Bildungssystems überwacht, in welchem jeder seiner eigenen Lerngeschwindigkeit und seinen eigenen Interessen folgen kann. Das wiederum würde erwartungsgemäß gleich auch noch die Lernergebnisse der Schüler verbessern. Ein Schulverwaltungssystem hilft darüber hinaus den Lehrern, effektiver mit den Schülern zu kommunizieren und den Verwaltungsaufwand zu verringern.
 
Die Schlüsselkomponenten von Weiterbildung 4.0 bzw. Bildung 4.0 sind vernetztes Lernen, kollaborativer Unterricht und ein Peer-Review-Prozesse. Diese Prozesse können den Schülern helfen, bessere und selbstbewusstere, individuellere, kreativere und selbstgetriebene Menschen zu werden. Sie helfen auch den Lehrern, besser zu verstehen, welche Bereiche des Unterrichts verbessert werden müssen, um das Lernen der Schüler zu verbessern. Bildung 4.0 sollte den Schülern auch helfen, die notwendigen Fähigkeiten und das Selbstvertrauen zu entwickeln, um eine Karriere in ihrem gewählten Bereich anzustreben. Dies geschieht, nicht zuletzt auch zwangsweise durch die Corona-Pandemie, vor dem Hintergrund der Neubewertung der derzeitigen Bildungsmodelle, um festzustellen, ob es den Bedürfnissen der künftigen Bildungssuchenden gerecht wird: Von Kindertagesstätten über Schulen bis hin zu Universitäten und Bildungsunternehmen.
 
Von der Industrie 4.0 zur Weiterbildung 4.0
Wenn es um die Bildung der Zukunft geht, besteht eine der größten Herausforderungen darin, sich auf den sich schnell verändernden Arbeitsmarkt vorzubereiten. Im Zuge der digitalen Transformation verändern der technologische Fortschritt und die Globalisierung die Arbeitswelt. Dieser Wandel erfordert die Entwicklung neuer Fähigkeiten, insbesondere im Bereich der digitalen Kompetenz. Der Bedarf an IT-Fachkräften wird in den nächsten Jahren daher weiter steigen.
 
Förderung von Weiterbildung 4.0 seitens Industrie und Poltik
Glücklicherweise hat die Politik und die Industrie erkannt, wie wichtig es ist, die Arbeitnehmer auf die Industrie 4.0 vorzubereiten. Indem sie die Arbeitskräfte von heute für die Anforderungen der Industrie von morgen ausbilden, sorgen Unternehmen nicht nur für die weitere Beschäftigung und entsprechende Stabilität, sondern schlicht und ergreifend auch dafür, dass sie selbst am Markt überleben. Für Arbeitssuchende ohne Unternehmen hat die Politik entsprechende Modelle geschaffen, um zur Inanspruchnahme einer geeigneten und aussichtsreichen Weiterbildungsmaßnahme anzuregen - beispielsweise mit Hilfe des Bildungsgutscheins oder des Arbeits- und Vermittlungsgutscheins. Kleine und mittlere Unternehmen sollen wiederum mit entsprechenden Programmen dazu angeregt werden, ihre Mitarbeiter weiterzubilden: Kleinstunternehmen können sich die Lehrgangskosten für einen Mitarbeiter zum Beispiel bis zu 100% erstatten lassen.
 
Zukünftige Arbeitskräfte müssen über multidisziplinäre Fähigkeiten verfügen und ein ausgeprägtes Verständnis für technologische Systeme haben. Glücklicherweise beginnen viele Hochschulen, Universitäten und Bildungsunternehmen damit, branchenspezifische Lehrbereiche in umfassende Programme zu integrieren, die auf die Zertifizierungen der Industrie abgestimmt sind.
 
Warum eigentlich 4.0?
Die Veränderung der Art und Weise, wie wir lehren und lernen, ist zum Teil eine Reaktion auf das rasante Tempo der Digitalisierung. Die Bildung muss sich allgemein an diese Veränderungen anpassen, die diese vierte digitale Revolution mit sich bringt. Die erste industrielle Revolution begann mit dem Siegeszug der Dampfmaschine im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Die zweite folgte etwa ein halbes Jahrhundert später mit dem Start der Massenproduktion. Die dritte industrielle Revolution wurde durch die Einbindung elektrischer Systeme ausgelöst. Mit modernen informationstechnischen bzw. digitalen Technologien und deren Auswirkungen auf die Industrie befindet sich die Menschheit aktuell in der vierten Phase der Industrialisierung und einer entsprechenden Antwort seitens des Bildungssystems darauf: Weiterbildung 4.0.
 
Übrigens: Das Ende ist hier noch nicht erreicht, denn natürlich wird es sehr wahrscheinlich auch eine fünfte industrielle Revolution geben. Über deren Aussehen wird derzeit noch spekuliert - manche schreiben ihr als Antrieb vor allem biologische Fortschritte zu. Andere sehen das allerdings schon als Industrie 6.0 an und beschreiben Industrie 5.0 als direktes Zusammenspiel intelligenter Roboter und Produktionsanlagen mit dem Menschen. Genau wird sich das erst im Nachhinein, historisch, abgrenzen lassen.
 
Warum erst jetzt?
Vor ein paar Jahren veränderte die industrielle Revolution die Industrie. Der rasche technologische Wandel ermöglichte die Einführung neuer Technologien und Methoden in vielen Bereichen, auch im Bildungswesen. Das Bildungswesen gehört zu den Bereichen, die am meisten von der Nutzung aktueller Technologien, innovativer pädagogischer Verfahren und bewährter Praktiken profitieren, schlicht weil es sich bisher am wenigsten verändert hat: Denn erst mit der digitalen Transformation existieren verändernde Kräfte, die den Kern des Bildungssystems beeinflussen können - Information. Nicht umsonst heißt es IT bzw. Informationstechnologie.
 
Zusammenfassung
Da die Welt immer vernetzter wird, müssen Institutionen und Bildungsunternehmen proaktiv auf diese Veränderungen beim Lernen reagieren. Dazu müssen neue Technologien und Lernmethoden in Bildungsmaßnahmen integriert werden. Ziel ist es, hochgradig wettbewerbsfähige Fachkräfte auszubilden, die innovative Lösungen für die zahlreichen gesellschaftlichen Herausforderungen entwickeln, denen die Welt heute und in Zukunft gegenübersteht.


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